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China 2008 - Tagebuch

10.07/11.07. Reise und erste Eindrücke

Die Reise nach Suzhou begann um 10.05h am Flughafen Hannover, die Stimmung war von erwartungsvollem Optimismus geprägt. Der Flug über Zürich nach Shanghai Pu Dong verlief reibungslos, das Unterhaltungsprogramm und das Essen wurden vom Team sehr geschätzt.
Bei der Ankunft waren wir von der Größe des Flughafens überwältigt und kamen schließlich problemlos durch alle Kontrollen und den Zoll. Nachdem uns die freiwilligen Helfer des RoboCups freundlich empfangen hatten, fuhren wir drei Stunden lang mit einem von ihnen organisierten Shuttlebus zum Hotel.
Der Fahrstill der Chinesen auf den stets geraden, mehrspurigen Straßen lässt sich als kreativ beschreiben. Man wählt die Spur, auf der es gerade am schnellsten vorangeht, blinkt nicht und hupt prophylaktisch vor besonders rasanten Manövern. Allerdings beschleunigt man nur auf maximal 90km/h.

Nach dieser sehr interessanten Fahrt erreichten wir schließlich das Hotel, in welchem wir herzlich empfangen wurden. Auch die Zimmer waren in Ordnung. Das einzig irritierende war das Restaurant. Dort wurde zwar ein allgemeinverträgliches, westliches Menu serviert, allerdings begleitet von fingerdicken raupenartigen Insekten, die gelegentlich den Gästen um die Füße krochen. Dabei wie auch generell waren die Kellnerinnen nicht besonders hilfreich, da die meisten von ihnen nur über rudimentäre bis keine Englischkenntnisse verfügen. Dies scheint auf die Mehrheit der chinesischen Bevölkerung, selbst jenem Teil aus dem Tourismusbereich zuzutreffen.

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12.07. Vorbereitungen und Supermarktbesuch

Der Tag begann mit einer wohltuenden Stärkung am recht ordentlichen Frühstücksbuffet im Hotel. Danach versammelten wir uns in einem unserer Zimmer, richteten ein WLAN Netz ein und betrieben akribisch Vorbereitungen für den Wettbewerb.
Da um die Mittagszeit Hunger aufkam und das Hotelrestaurant bei uns nicht mehr besonders hoch im Kurs stand, beschloss ich, außerhalb etwas Essbares aufzutreiben. Da unser Hotel im eher spärlich bebauten Bereich des Suzhou Industrial Parks gelegen ist, wurde mir schnell klar, dass sich in der Nähe auch kein Supermarkt finden würde. Mit Hilfe unseres besonders netten und der englischen Sprache mächtigen Concierges ließ sich am anderen Ende des Parks ein Supermarkt lokalisieren. Da mir aus Sicherheitsgründen von den Jungs verboten worden war, mich allein aus dem Hotel zu wagen, machte ich mich mit Max auf den Weg.

Als wir nach einer halben Stunde Fußmarsch in schwülwarmer Umgebung die Karte zu Rate zogen und erschrocken feststellen mussten, dass wir nur einen Block von ca. 10 weit gekommen waren, hielten wir ein Taxi an und fuhren den restlichen Weg. Am Supermarkt angekommen waren wir vorerst erleichtert, jedoch änderte sich dies schlagartig, als wir ihn betraten. Nicht seine schiere Größe, die alles in Deutschland Bekannte bei Weitem überstieg, verunsicherte uns. Nein, es waren eher die – gefühlten – 3000 Chinesen, die ohne jede Rücksicht kreuz und quer umherschwärmten und es dabei doch schafften, uns ausgiebig anzustarren. Wir blieben dicht zusammen, um uns in der Menschenmasse nicht zu verlieren.

Das nächste Problem, das sich vor uns auftat, waren die Produkte, die in den zahlreichen hohen Regalen zum Kauf bereitstanden. Hier in China sind alle Verpackungen so grell wie möglich gestaltet, was bei uns schlicht zu einer Reizüberflutung führte, so dass wir prompt jeglichen Hauch von Überblick verloren.
Unsere Situation erschwerte sich zusätzlich dadurch, dass sämtliche Produktbeschreibungen auf chinesisch waren und es viele uns bekannte Produkte nicht gab. Dafür sahen wir viel neues, was wir nicht identifizieren konnten. Meistens war nicht einmal die Nahrungsmittelgruppe feststellbar, zu der das jeweilige Produkt gehörte. Außerdem herrschten merkwürdige Gerüche vor und auch die teils lebendigen Tierprodukte irritierten uns ein wenig. Wir sahen z.B. große Aquarien mit sich fröhlich tummelnden Fische, Meeresfrüchten und Schildkröten. In der Nähe davon konnte ich mich gerade noch im letzten Moment retten, bevor ich auf einen am Boden liegenden Karpfen trat und darauf auszurutschen drohte. Außer mir schien sich niemand an dem Tier zu stören.

Als wir es schließlich mit einem Einkaufswagen voll halbwegs normaler Nahrungsmittel nach Hause ins Hotel geschafft hatten, waren wir völlig fertig und mussten uns erstmal von dieser anstrengenden Erfahrung erholen. Der Rest des Tages verlief dann allerdings nach Plan und war produktiv. Wir machten uns wieder ans Programmieren und Organisieren und probierten nebenbei all unsere interessanten eben erworbenen Speisen.

Nach einem weiteren Abendessen in unserem mehr oder weniger tollen Hotelrestaurant gingen wir erneut an die Arbeit in unserer ‚‚Zentrale’’, dem Zimmer 708. Nach Feierabend verordneten wir uns sofort Bettruhe, um für den nächsten Tag fit zu sein. Zu diesem Thema möchte ich noch anmerken, dass wir alle nur mit voll aufgedrehter Klimaanlage überhaupt Schlaf finden können, da es ansonsten unter unseren Daunendecken unerträglich heiß wird.
Warum hier derartiges Bettzeug verwendet wird, ist und bleibt ein Rätsel.



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13.07. erster Besuch des RoboCup-Geländes und eines chinesischen Restaurants

Nachdem wir den Vormittag wieder mit Vorbereitungen und Arbeiten an der künstlichen Intelligenz (KI) unserer Roboter zugebracht hatten, machten wir uns nachmittags auf zum Suzhou Expo Center, wo ab dem 14.07. der RoboCup stattfinden würde. Dort besorgten wir uns unsere ID-Pässe, indem wir uns nacheinander in mehreren endloslangen Schlangen anstellten und die verschiedenen Stationen wie Fotos machen, Namen eintragen, Verzichtserklärungen unterschreiben abarbeiteten.
Hinterher warfen wir noch einen kurzen Blick in die Hallen bzw. unsere Team-Area, wo allerdings noch einiges fehlte. Spielfelder, also liegende Flachbildschirme mit darüber montierten Kameras zur Bilderkennung fehlten gänzlich. Allerdings versicherte uns nach langem Suchen ein hilfsbereiter chinesischer Helfer uns gebrochenem Englisch, dass bis zum nächsten Morgen alles fertig wäre.
Dadurch nur wenig beruhigt aber durch unseren Hunger und die unvermeidliche Abenteuerlust abgelenkt, machten wir uns mit einem weiteren Taxi auf den Weg zu einem chinesischen Restaurant, welches uns von einer der wenigen deutschen Touristen empfohlen worden war. Die wilde Fahrt, bei der einige Elektroroller nur knapp verschont blieben, endete in einer äußerst belebten Straße voller verschiedenster Etablissements und Geschäfte.
Leicht verunsichert, aber vom Hunger getrieben, betraten wir das Restaurant, wo wir sogleich zu einem Tisch geleitet wurden. Wir wählten nach den Bildern auf der Speisekarte einige Gerichte aus und bestellten. Zum Essen hier ist zu sagen, dass es weder eine bestimmte Reihenfolge für einzelne Gänge noch eigene Gerichte für jeden Gast gibt. Es wird einfach alles gleichzeitig in der Mitte des Tisches angerichtet und jeder greift mit seinen Essstäbchen zu und isst sich nach Belieben satt. Dieses Konzept gefiel uns auf Anhieb und wir ließen es uns schmecken.

Gegen Ende der Mahlzeit ließen wir auf Carstens Wunsch hin noch einen Eimer gebratenen Fleisches kommen, dies war allerdings ein Reinfall. Die Speise schien mir undefinierbaren Ursprungs zu sein und verfügte über eine merkwürdige Konsistenz sowie beigelegte große Kieselsteine.
Um uns die Beine zu vertreten, sahen wir uns danach in der Straße um, wo selbst um 22.30h noch Geschäfte geöffnet waren. Wir schauten in einige hinein und entdeckten allerlei skurrile Modeerscheinungen und mal wieder unbekannte Lebensmittel.
Nebenbei machte Stefan dann auch noch einen Geo-Cash-Point ausfindig und erstand im Tausch gegen eine RoboCup-Disc ein schickes chinesisches Stück Klüngel. Damit war der Abend perfekt, dachten wir.
Als letzte Überraschung des Tages wartete dann schließlich Henning, unser letztes fehlendes Mitglied, der gerade aus Osaka angekommen war, im Hotel auf uns.

 

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14.07. Beginn des RoboCup

Als wir am Morgen den Austragungsort der Mixed Reality Competition betraten, war - wie befürchtet – noch nicht alles aufgebaut.
Neben dem Programmieren widmeten sich viele Mitglieder der verschiedenen Teams daher dem Aufbau der Spielfelder etc. Beim ersten Meeting aller Teilnehmer der MR wurde zudem klar, dass zwar noch kein Team ein vollständiges funktionsfähiges System hatte, man sich aber gegenseitig helfen würde und am Ende eines zusammenstellen würde. Dieser Grad der Zusammenarbeit erscheint bei einem Wettbewerb, bei dem jedes Team gewinnen will, unüblich, ist aber Routine. Bei einer solchen internationalen Veranstaltung, wo jeder etwas lernen und andere an seinen Entwicklungen teilhaben lassen will, ist dies einfach zwecktauglich.
Außerdem merkt man an der Atmosphäre hier deutlich, dass es nicht darum geht, sich von den ‚‚gegnerischen’’ Teams abzugrenzen, sondern weltweit Freundschaften zu schließen und zusammen Fortschritte zu erzielen.
Der Umgang und das Erreichen von Zielen mit Menschen aus aller Welt sowie die praktische Erfahrung mit den im Studium erworbenen theoretischen Kenntnissen machen die Teilnehmer des RoboCups zudem bei späteren Arbeitgebern attraktiv.

 


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15.07. Zweiter Tag des RoboCup

Nachdem der gestrige Tag recht anstrengend und lang gewesen war, trafen wir uns heute etwas später zum Frühstück. Aufgrund der zuvor erzielten Fortschritte war dies kein Problem und das System zum Austragen der Spiele würde bald benutzbar sein. In vielen anderen Ligen fanden schon Demonstrationen statt, wobei die Teams die Vorteile ihrer Roboter und Programme vorstellten.
Auch wir sahen uns um, da sich unser Interesse nicht auf die Mixed Reality beschränkt. Wir sahen unter Anderem interessante Ansätze, wie Roboter auch im Haushalt und in Schulen eingesetzt werden könnten. Dennoch mussten wir uns auf unser eigenes Projekt konzentrieren und weiterarbeiten. Hinzu kam das Erstellen einer Präsentation, welche wir gegen Ende der Woche halten sollten.

So verging, von einem Mittagessen von PizzaHut, welches wir dank der freundlichen Mithilfe der chinesischen freiwilligen Helfer bestellen konnten, der Tag. Zwischendurch erlitt das Kabel meines Netzteils unglücklicherweise einen Kabelbruch, was bei den anderen Teammitgliedern (allesamt männlich) einiges Entzücken auslöste, da sie nun etwas zum Zusammenlöten hatten. Somit war mein Kabel schnell repariert und zwar mit einem neuen (rosa) Stück Ummantelung und ordentlich Gaffer, womit die empfindliche Stelle direkt am Anschluss sicher festgetaped wurde.

Abends fand schließlich das erste Symposium statt, wo Gastredner – von nun an jeden Tag - Vorträge über Themen rund um die Robotik halten. Nachdem wir also wieder einmal etwas Neues gelernt hatten, fand ein gemeinsames Abendessen statt, bei dem wir uns köstlich amüsierten und neue Kontakte mit Teammitgliedern aus verschiedenen Staaten knüpften.
Natürlich ging es danach wieder zurück in unsere Team Area, wo wir endlich Testläufe mit unseren Entwicklungen durchführen konnten. Letztendlich war es wieder ein ziemlich langer Tag, sodass wir gegen Ende schon sehnsüchtig unseren weichen Hotelbetten entgegensahen.

Nebenbei erwähnt: Täglich ab 22h wird uns die Arbeit hier in der Messehalle zusätzlich erschwert, da die Veranstalter einfach die Klimaanlage ausschalten, was zu fast unerträglicher Hitze führt. Wir mutmaßten bisher, dass wir so zum Gehen aufgefordert oder – deutlicher ausgedrückt - vertrieben werden sollen, damit der Reinigungstrupp seine Arbeit aufnehmen kann.


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16.07. Dritter Tag

Da ich diesen Tag krank im Hotelzimmer verbrachte, kann ich leider nicht detailiert darüber berichten. Allerdings teilten meine Teamkameraden mir mit, dass sich auch kaum etwas Nennenswertes ereignet hat.

Der Tag war geprägt vom Weiterentwickeln der jeweiligen Soccer Server.
Davon existieren drei: Team Bahia, Team Koblenz und wir stellen je einen zur Verfügung. Noch funktionierte nur auf keinem davon ein Fußballspiel. Dies führte zu der schwierigen Frage, welcher Server verwendet werden sollte. Obwohl keine Entscheidung getroffen wurde, entwickelte das Team wieder einmal bis Mitternacht. Um diese Zeit werden wir nun definitiv jeden Abend freundlich herauskomplimentiert.

 

 

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17.07. Können unsere Probleme heute gelöst werden?

Nachdem wir uns ausnahmsweise einmal halbwegs ausgeschlafen hatten, machten wir uns wie gewohnt auf den Weg zum Suzhou Expo Center.

Dort angekommen stellte sich heraus, dass heute immer noch keine Spiele würden stattfinden konnten. Allmählich kam der Zeitplan in ernste Gefahr, da wenn wir es nicht bald möglich machen würden, Fußballmatches auszutragen, einige von ihnen wegfallen müssten. Das heißt es würde ein einfaches K.O. System die bisher geplanten Gruppenspiele ersetzen.

So verschärfte sich der Druck auf die Teams, die Soccer Server fertigzustellen bzw. ihr System auf ihnen funktionsfähig zu machen.

Bei einem Meeting aller MR Teilnehmer wurde deutlich, dass es nächstes Jahr evtl. diese Competition auf dem RoboCup nicht geben würde, wenn wir es diesmal nicht nicht schaffen könnten, genügend Spiele auszutragen.

Nach diesen schlechten Nachrichten trübte die merkwürdige Pizzalieferung, die wir fälschlicherweise erhielten noch mehr die Stimmung. Jeder der Pizza Salami bestellt hatte, erhielt eine mit Salami, Schinken und merkwürdigen Fleisch-Hörnchen drauf, welche sich nach einigem Untersuchen glücklicherweise nicht als Hund, Katze oder ähnliches, sondern als harmloses Hähnchen identifizieren ließen.

Hinterher gings für uns wieder mit der Umsetzung der Spiele weiter, wobei allerdings nur schwerlich Fortschritte zu machen waren. Also bahnte sich wieder (wer hätte jetzt noch anderes erwartet) ein langer Abend an.

Erfreulich war trotzdem die Entdeckung des Artikels über uns und den RoboCup in der Braunschweiger Zeitung (siehe newsclick.de).

 

 

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18.07. Tag der Präsentation

Heute verlief der Tag – falls das überhaupt möglich ist – noch stressiger als sonst. Neben dem immer noch nicht funktionsfähigem System, das jegliches Fußballmatch unmöglich machte, standen wir vor einem weiteren Problem: Unserer Präsentation.

Genauer gesagt müssen alle Teams ihre Entwicklungen des vergangenen Jahres im Rahmen eines halbstündigen Vortrages darstellen. Wir gehörten natürlich zu den Glücklichen, die am ersten der beiden Präsentationstage an der Reihe und bisher kaum vorbereitet waren. Dies lag selbstverständlich nicht daran, dass wir zu langsam gewesen wären, sondern daran, dass unser Team besonders engagiert an den Gemeinschaftsaufgaben mithalf.

Schließlich schafften wir es, nach einigem Stress und großer Sorge Herrn Gerndts, souverän unseren Vortrag über die Bühne zu bringen, welchen wir in der Minute zuvor fertig gestellt hatten. Das Highlight war Stefans packender Beitrag zur Be!Brick Software, mit der man sogar ohne das vorherige Beherrschen einer Programmiersprache die Micro Robots kontrollieren kann. Dies eröffnet zahlreiche neue Möglichkeiten beim Einsatz des MR Konzepts in Schulen etc.

Zwischendurch machte ich mich auf zu einer Odyssee mit dem bestmöglichen Ziel: Mc Donalds. Allerdings kam ich dort niemals an, da mich die gruselige Taxifahrerin nicht dorthin zu bringen vermochte. Nach einer knappen Dreiviertelstunde machte ich ihr unmissverständlich klar, dass ich wieder zurück zum Expo-Gelände wollte, indem ich den Zettel mit der ursprünglichen Adresse vor ihrem Gesicht zerknüllte und empört auf mein anderes Adresskärtchen zeigte. Auf dem Rückweg verfuhren wir uns wiederum, was mich nahezu zur Weißglut brachte. Dass ich nicht den vollen Preis für diese Farce zahlte, verstand sich dann von selbst.

Nach all diesen Strapazen endete der Tag jedoch friedlich und frohen Mutes auf dem Zimmer, wo wir unser WLAN Netz errichtet hatten.

 

 

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19.07. Sechster Tag - Erstens kommt es anders...

Nach 3,5 Stunden Schlaf machten wir uns wie jeden Tag auf zum Expo Center, wo wir mit den anderen Mitgliedern der Liga daran arbeiteten, die immer noch bestehenden Probleme zu lösen, damit wir endlich Fußballspiele würden austragen können. Dies nahm nahezu den ganzen Tag in Anspruch, sodass erst abends entschieden werden konnte, dass sämtliche Spiele erst am nächsten und letzten Tag stattfinden würden.

Zudem wurde festgelegt, dass wie im Vorjahr 2 vs. 2 gespielt werden würde, außer beide Teams eines Spiels wären mit drei Spielern pro Mannschaft einverstanden. Von dieser Wendung waren wir nicht besonders begeistert, da wir problemlos mit vier Spielern hätten antreten können.

Was die Situation besonders spannend machte war, dass auch die Tests erst für den Folgetag angesetzt wurden und dies auch nur für wenige Minuten pro Team. Folglich ist MR dieser Tage nichts für schwache Nerven und immer überraschend.

Später am Abend fanden schließlich die Präsentationen der restlichen Teams statt. Wieder wurden interessante Ansätze und Ideen vorgestellt.

Anekdote des Tages:

Als ich mit Max am Abend bei einer bekannten Fast Food Kette, welche pflegte, mit einem Clown zu werben, das Essen fürs Team holte, machten wir eine sonderbare Erfahrung. Beim Verlassen der Filiale schüttete es wie aus Eimern, was uns allerdings aufgrund des Hungers aller nicht aufhielt. Wir sprinteten durch die gesamte Fußgängerzone zur Straße, um ein Taxi zu erwischen.

Uns war zwar schon aufgefallen, dass kein einziger Chinese sich ohne Schirm dem Regen ausgesetzt hatte und uns alle Passanten sehr aufmerksam beobachteten, aber wir dachten uns vorerst nichts dabei, außer, dass wir wieder einmal zur Erheiterung der Bewohner Suzhous beigetragen haben mussten. Als wir dann aber bemerkten, dass das uns durchnässende Regenwasser reichlich giftig roch, auf weißer Kleidung grau sichtbar war und im Gesicht sogar Jucken hervorrief, wurde uns klar, warum jeder andere lieber abgewartet hatte, bis der Regen aufhörte.

Als wäre dies noch nicht genug, konnten wir dann schließlich nur ein äußerst merkwürdiges Taxi auftreiben. Wer an die stylischen metallicblauen VW Santana mit Klimaanlage gewöhnt ist, die hier standardmäßig als Taxen fungieren, musste hier erst einmal tief durchatmen: Wir stiegen in einen rumpelnden Bus asiatischer Bauart, dessen Durchmesser definitiv geringer war, als der unseres aktuellen MR Spielfeldes. Außerdem gingen die Fenster nicht zu und uns ’’kühlte’’ ein auf dem Armaturenbrett montierter Zimmerventilator.

Letztendlich waren wir heilfroh, als wir wieder in der vertrauten RoboCup Halle ankamen, obwohl wir mit unseren mittlerweile arg mitgenommenen Essenstüten geradewegs eine der Präsentationen störten.

Hinterher versuchten wir noch, unser Fußballspiel zu verbessern, allerdings wurden wir wie üblich zur Geisterstunde vom Expo-Gelände verbannt und mussten daher eine Sonderschicht im Hotelzimmer einlegen, welche weitgehend produktiv verlief.

 

 


20.07. Der Tag, an dem wir Weltmeister wurden

(Während des Geschehens verfasst)

Nach weiteren dreieinhalbstündigen Nacht konnten wir es nicht mehr erwaten, endlich unsere Bots in die Schlacht zu schicken. Wir bereiteten uns vor und gewannen überlegen mit 4:0 das erste Spiel gegen England.

Unsere Stärke ist die Schnelligkeit unseres Offenders auf dem Feld. Er gewinnt die meisten der Sprints zum Ball. Als Schwäche ist momentan die Ungenauigkeit der Torschüsse festzustellen, daher lassen wir ihn nun mit etwas weniger als der maximalen Geschwindigkeit schießen.

Das zweite Spiel allerdings versprach spannend zu werden, da unser Gegner der Gewinner der Japan Open, das Team SOCIO, sein würde.

Dieses Spiel haben wir schließlich 2:0 gewonnen und sind damit zweiter in der Soccer Wertung. Nun gilt es noch, das iranische Team zu besiegen.

Dies ist uns durch ein Golden Goal schließlich gelungen!!!!!

Zudem sind wir Dritter in der Kategorie Application und Erster beim Development.

All dies zusammengenommen macht uns nun zum WELTMEISTER der MR League 2008!

 

 

China Pokal